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  • Tenetor

Grundsatz 9. Der Grundsatz der Freiheit.

"Wenn du den anderen schadest, bleibst du unfrei. Solange du aber anderen nicht schadest, kannst du in Freiheit tun, was immer du magst."


Dieser Grundsatz ist verblüffend kühn: Er fordert einen mit wenigen Worten heraus, nicht nur die eigenen Vorstellungen von Moral und Ethik zu überdenken, sondern auch die Beziehung zu anderen, zur Welt und zu sich selbst. Es ist außerdem spannend, wie dieser Grundsatz all diese Fragen über die anderen Grundsätze, ihren Zweck, ihre Anwendung usw. aufwirft. Das ist eine Menge Stoff – sogar wenn man ihn auf die einfachste Bedeutung reduziert.



Eines der ersten Dinge, die uns vielleicht auffallen, ist, dass uns dieses Prinzip zunächst sagt, dass wir "gefesselt" sind, und dass dies so bleibt, wenn wir anderen Menschen Probleme machen. Das heißt, wenn man andere schlecht behandelt, blockiert oder behindert das auch die eigene Befreiung, die ja das Ziel nicht nur dieses Grundsatzes, sondern der Gesamtlehre Silos ist. Das Prinzip macht dann einen radikalen Vorschlag, den wohl revolutionärsten, den man sich vorstellen kann. Er missachtet alle konventionellen Moralvorstellungen, alle "man sollte" und "man sollte nicht", alle "man muss" und "man darf nicht". Stattdessen sagt er, dass wir frei sind, alles zu tun, unter der Bedingung, dass wir niemandem schaden. 


Es gibt weise Leute, die sagen, dass der Grundsatz eigentlich nicht bedeutet, dass wir tun können, was wir wollen. Sie haben das Gefühl, dass es Grenzen gibt, die einfach nicht ausgesprochen werden. Möglicherweise... in diesem Grundsatz ist davon aber nicht die Rede, sondern er sagt: „Schade niemandem und mach, was Du willst.“ Das Prinzip der freien Interpretation sagt uns: "Lasst 100 Blumen blühen" (wie jemand, der viele, viele Menschen verletzt hat, einmal sagte). 


Natürlich gibt es hier Nuancen, und natürlich versucht man herauszufinden, was es bedeutet, jemanden zu "verletzen", und wo die Selbstverletzung anfängt, usw.  Wie bei den anderen Grundsätzen gibt auch dieses keine Patentrezepte vor, sondern zeigt vielmehr eine bestimmte Richtung des Denkens, Fühlens und Handelns an. Indem wir die anderen Grundsätze berücksichtigen und über unsere gesammelten Erfahrungen meditieren, können wir lernen, uns für die Antworten an uns selbst zu wenden. Was für eine großartige Lektion das ist.



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