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3. „Wenn man sich der Entwicklung der Dinge entgegenstellt, geht man gegen sich selbst vor.“

Aktualisiert: Feb 27



Persönliche Reflexion: Hier kommt ein bisschen Rohmaterial, dass Du hoffentlich nützlich findest für deine eigenen Reflexionen. Eine der ersten Schwierigkeiten, die ich bei diesem Grundsatz entdeckte, könnte vertraut sein. Dieser Schwierigkeit begegnen viele bei dieser Arbeit: Die Grundsätze klingen einfach, aber das ist nur scheinbar so. Bei dem Versuch sie anzuwenden, entdecke ich, dass sie überhaupt nicht so unkompliziert sind. Ich bin jedoch überzeugt, dass sie nicht dadurch von einigen einfachen Plattitüden zum Schlüssel dein Leben zu verwandeln werden, dass man sie akzeptiert, sondern eher indem man mit ihnen ringt.

Denke daran, dass es nur ein Leitfaden ist. Der Punkt ist, dass man nicht versucht übereinzustimmen mit einem äußeren Kodex oder einer Anzahl von Regeln. Der Fokus sollte eher auf der Erfahrung (dem lebenden Experiment) sein, die in mir erzeugt wird, wenn ich handle. Bringt mich meine Handlung und die Erfahrung, die sie erzeugt, zu mehr innerer Einheit oder zum Widerspruch? Fühle ich mich mehr in Übereinstimmung mit mir selbst oder bin ich mehr im Krieg mit mir selbst?

Das erste Problem auf das ich stoße, wenn ich über diesen Grundsatz nachdenke, hat mich eine wichtige Lektion gelehrt. Ich habe gelernt sie bei allen Grundsätzen anzuwenden, sie in einen Lebensstil einzuweben, der innere Einheit fördert und denen dient, die mich umgeben: Ich muss darüber nachdenken – sehr viel. Wie weiß ich zum Beispiel, wann eine Tendenz “die Entwicklung der Dinge” ist oder es nur eine Möglichkeit, ein Unfall oder eine Mode ist?  Wie kann ich sagen, ob mein Annehmen dieser Tendenz nur Schwäche, Faulheit oder ein Fehler meinerseits ist und ob es wirklich der angemessene Handlungsverlauf ist. Die Falschanwendung des Grundsatzes durch das Folgen von etwas, dass nicht wirklich die “Entwicklung der Dinge” darstellt, kann (bestenfalls) kontraproduktiv sein. Wenn die Menschen z.B. Schmerzen und Krankheit als unvermeidlich akzeptiert hätten, hätte sich die medizinische Wissenschaft nicht entwickelt. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass jeder bedeutende menschliche Fortschritt als eine Rebellion gegen das Unvermeidliche aufgetaucht ist. Hier kommt die Weisheit ins Spiel.

Es schien mir immer, dass Rafael Edwards einfache Illustrationen sich als vielversprechend inspirierend für meine Meditationen erwiesen haben. Das könnte für deine ebenso sein.





Betrachte die obigen Bilder: Ein Kanu, mit dem jemand versucht einen Wasserfall hinauf zu paddeln und ein Küken, das aus seiner Schale schlüpft. Für den Vogel bedeutet der Versuch zu seinem vorherigen Zustand zurückzukehren, gegen die unvermeidliche Entwicklung der Dinge und sehr deutlich gegen sich selbst vorzugehen. Ein anderer Aspekt des Grundsatzes wir deutlich, wenn wir Eltern betrachten, die sich weigern zu akzeptieren, dass ihre Kinder wachsen und ihre Bedürfnisse sich ändern und die es schwierig finden, sie gehen zu lassen. Letztendlich leisten sie ihren Kindern keinen Dienst, verletzen sich selbst und bringen manchmal die Beziehung zu ihnen in Gefahr.

In der ersten Woche der Reflexion über einen Grundsatz ergänzen wir unsere Betrachtungen mit einer Geschichte, die beim Verständnis helfen kann.

Sieh dir die folgende Geschichte an, die in Abwandlungen bei unterschiedlichen Völkern in ihren Erzählungen auftaucht. Sie basiert lose auf einer Version der altindischen Dichtung Panchatantra. Sie erzählt von einer armen Schildröte (mit dem treffenden Namen Nacken-Schildkröte), die versucht die Veränderungen, die um sie herum passieren, zu vermeiden und die statt dessen eine extreme Entfernung zurücklegen will, um dieser Situation zu entkommen.


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